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Guinea-Bissau - Die jüngere Geschichte
Das kleine Land, nur ein Punkt im riesigen Afrika, hatte in den emanzipatorischen sechziger Jahren, mit seinem 10 Jahre langen bewaffneten und auch zivil geprägten Befreiungskampf gegen die portugiesische Kolonialmacht, mit seinen Entwicklungskonzepten und mit dem enormen Denkvermögen Amilcar Cabrals, weltweite Beachtung erlangt.
Was man heute die "Afrikanische Misere" nennt, hatte der hellsichtige Cabral vor 40 Jahren schon an Entwicklungskeimen junger afrikanischer Staaten als Gefahr erkannt und hatte diese Art "Unabhängigkeit", wo wichtige politisch-ökonomische Einflußrechte zunächst bei der Kolonialmacht verbleiben, für Guinea-Bissau abgelehnt.
Er nannte das neokolonial.
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Auf Internationalen Konferenzen, in Interviews, vor UNO-Gremien in New York, gab er mit klugen Analysen und Visionen zu bedenken, daß nur ein wirklich unabhängiges, vielleicht geeintes Afrika, die Zukunft seiner eigenen Bevölkerungen gestalten könne und mit seinen menschlichen, kulturellen und materiellen Ressourcen dann imstande wäre, einen beachtlichen Beitrag für die Menschheit zu leisten.
Cabral galt damals weltweit als eine Hoffnung für Afrika.
1974 bei den Unabhängigkeitsfeiern in seinem Land, lebte Cabral schon nicht mehr.
Wie vor ihm Patrice Lumumba, so war im Januar 1973 auch Amilcar Cabral einem Geheimdienstmord zum Opfer gefallen.
Die ersten unbeschreiblich schwierigen Entwicklungsschritte im Land wurden von östlichen wie auch westlichen - vorwiegend sozialdemokratisch regierten - Ländern solidarisch mit Fachwissen und Investitionen gefördert. In wenigen Jahren war, nach guineischen Plänen, im Geist Cabrals, ein erstaunliches Schul- und Berufsbildungswesen entstanden (nur 1% der Schwarzafrikaner hatten unter portugiesischer Herrschaft lesen und schreiben gelernt!)
Und ein funktionierendes Gesundheitswesen entstand und einige moderne Produktionsbetriebe zur Verarbeitung von Landesprodukten, wie Milch, Fisch und heimischen Früchten zu Konserven, Limonaden und Säften. Jeweils flankiert mit der Ausbildung einheimischen Fachpersonals.
Nach nur sechs Jahren Unabhängigkeit endete diese erste Entwicklungsphase. Brigadegeneral Joao Bernardo Viera, genannt Nino, einst Kampfgefährte Cabrals, wie fast alle an der Regierung Beteiligten, putscht sich an die Macht und führt 1986, nun in den Ämtern des Staatspräsidenten und des PAIGC-Generalsekretärs, das kleine, völlig unterentwickelte Land in die "Liberalisierung", gegen heftigsten Widerstand vieler Parteimitglieder und
Leitungskader. Tiefe Verstörung entstand, eine Art Implosion, im innersten Kräfte- und Wertgefüge. Und Korruption und Käuflichkeit kamen auf.
Aber anfangs keimten in der Bevölkerung auch Hoffnungen, denn Weltbank und IWF honorierten Vieras Entscheidung mit hohen Krediten für das Land.
Dennoch verschlechterte sich bald die Lebenssituation fast der ganzen Bevölkerung, zumal als 1990 auch die Hilfsprojekte aus sozialistischen Ländern entfielen.
Guinea-Bissau gehört heute zu den am höchsten verschuldeten Ländern Afrikas - ohne daß Entwicklung entstand.
Unter den Auflagen von IWF und Weltbank, zur Schuldenbedienung, brachen auch das ehemals für afrikanische Länder vorbildliche Bildungs- und Gesundheitswesen, weitgehend zusammen, von den eigenen Industrien ganz zu schweigen.
Heute beliefern z.B. Sprite, Fanta, Coca Cola den ganzen Getränkemarkt im Land.
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